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Relaunch: Warum wir Materius neu gebaut haben

  • Autorenbild: Nina Albrecht
    Nina Albrecht
  • vor 1 Tag
  • 4 Min. Lesezeit


Mailin Jappé (CEO von Materius) beim Relaunch-Apéro
Mailin Jappé (CEO von Materius) beim Relaunch-Apéro

Seit dem 31. August ist die neue Materius-Plattform online. Von aussen sieht man vor allem das neue Design. Der grössere Teil der Arbeit steckt darunter: in der Datenbasis und in der Prüflogik. Warum wir dort angesetzt haben, lässt sich am besten an dem erklären, was wir im vergangenen Jahr in echten Bauprojekten gelernt haben.



Fünf Erkenntnisse aus einem Jahr Praxis


Wir haben die Plattform im letzten Jahr in laufenden Projekten eingesetzt und gemeinsam mit Nachhaltigkeitsberatenden, Generalunternehmen, Herstellern, Bauleitungen und Zertifizierungsstellen Feedback gesammelt. Fünf Punkte haben sich dabei immer wieder bestätigt. Sie sind die Grundlage für alles, was wir umgebaut haben.


  1. Der Bedarf ist eindeutig vorhanden.

  2. Alle Baumaterialien eines Projekts müssen mit aktuellen Daten abgedeckt sein – zu jedem Zeitpunkt im Bauprozess.

  3. Entscheidungen müssen jederzeit nachvollziehbar sein.

  4. Die Lösung muss den gesamten Bauprozess durchgängig begleiten – nicht nur punktuell.

  5. Wir entwickeln schnell auf Basis Ihres Feedbacks und Ihrer Anforderungen – und kommunizieren transparent, woran wir arbeiten.


Punkt 1 war nie die Frage. Wer heute ein Gebäudezertifikat anstrebt – Minergie-ECO, SNBS oder SGNI –, muss belegen, dass die verbauten Produkte den Anforderungen entsprechen. In der Praxis heisst das: tausende Bauprodukte, manuell geprüft, verteilt über Datenblätter, Mailverläufe und parallel geführte Excel-Listen. In der Schweiz gehen dafür jährlich rund 75 Millionen Franken an Prüfaufwand drauf.


Interessant waren die Punkte 2 bis 5. Sie beschreiben nämlich nicht ein fehlendes Feature, sondern eine Anforderung an das Fundament. Genau deshalb ist der Relaunch kein neuer Anstrich geworden, sondern ein Umbau.

Was wir daraus gebaut haben


Aus Erkenntnis 2: eine Datenbasis, die mitwächst

Eine Materialprüfung ist nur so gut wie die Daten, auf denen sie steht. Und Daten, die zum Projektstart einmal erhoben wurden, sind in der Ausführungsphase nicht mehr aktuell. Wir haben die Datenbeschaffung deshalb komplett neu aufgebaut.

Heute sind über 30’000 Bauprodukte von rund 150 Herstellern hinterlegt, und es werden wöchentlich mehr. Die Produkte sind nicht als Liste von Produktnamen hinterlegt, sondern ausgelesen, strukturiert und über mehr als 60 Nachhaltigkeitsattribute vergleichbar. Dahinter steht unsere eigene Datenpipeline: Sie erfasst Produktdatenblätter und weitere Angaben von Herstellerseiten, liest sie aus und bringt sie in eine einheitliche Struktur. Ergänzt werden sie durch offizielle Quellen wie Ecobau, die Lignum-Liste, die Stiftung Farbe, die Energieetikette Schweiz sowie VOC- und Biozid-Datenbanken.

Entscheidend ist der Betrieb dahinter: Die Updates laufen neu regelmässig. Die Datenbasis veraltet nicht mehr zwischen zwei Projektphasen.

Und wenn ein Produkt fehlt – was bei Spezialprodukten vorkommt –, gibt es zwei Wege: Sie laden Datenblätter oder ganze Produktlisten selbst hoch, oder Sie geben uns kurz Bescheid. Neue Hersteller sind innerhalb von 48 Stunden erfasst.


Aus Erkenntnis 3: Nachvollziehbarkeit als Grundprinzip

Bei einer Zertifizierung reicht das Ergebnis nicht. Es muss auch Monate später noch begründbar sein – gegenüber der Bauherrschaft, der Zertifizierungsstelle und im eigenen Team. Nachvollziehbarkeit haben wir deshalb nicht als Zusatzfunktion gebaut, sondern in die Logik hinein.

Die Prüflogik bildet die Regelwerke der Nachhaltigkeitsstandards wortgetreu in Code ab: Produktkategorien, Produkteigenschaften, die Anwendung im Projekt und ganze Systeme. Entwickelt haben wir sie gemeinsam mit Nachhaltigkeitsexperten und Zertifizierungsstellen. Das ist der Unterschied zwischen einer Datenbank und einer Prüfung – erst wenn die Anforderungen digital korrekt abgebildet sind, lässt sich automatisiert prüfen.

Im Alltag sehen Sie das an drei Stellen:

  • Die Konformitäts-Ampel zeigt auf einen Blick, ob ein Produkt in diesem Projekt konform, bedingt konform oder nicht konform ist – inklusive Begründung, welche Anforderung erfüllt oder verfehlt wird.

  • Transparente Herkunft: Bei jedem Datenpunkt ist ersichtlich, woher er stammt.

  • Eigener Audit-Trail: Fehlende Eigenschaften können Sie selbst ergänzen oder korrigieren. Jede Änderung ist nachvollziehbar und steht anschliessend in allen Ihren Projekten zur Verfügung – keine Arbeit muss zweimal gemacht werden.


Aus Erkenntnis 4: durchgängig statt punktuell

Die Materialprüfung ist kein einzelner Arbeitsschritt, sondern zieht sich von der Ausschreibung bis zur Einreichung. Wir haben die Oberfläche deshalb entlang der Reihenfolge neu aufgebaut, in der tatsächlich gearbeitet wird: Produkte erfassen, Konformität gegen das Regelwerk prüfen, Nachweise einreichen.


Dazu kommen Werkzeuge für die Zwischenschritte, die sonst Zeit fressen – etwa Textbausteine für Herstelleranfragen oder der Vollständigkeits-Check über die BKP-Struktur. Am Ende lassen sich die Nachweise direkt für die Zertifizierungsstelle exportieren.


Aus Erkenntnis 5: die Logik lernt weiter

Der letzte Punkt ist weniger ein Feature als eine Arbeitsweise. Wenn eine Fachperson uns zeigt, wie ein Produkt hätte zugeordnet werden können, ist der Fall geklärt – nicht nur für dieses eine Projekt, sondern für alle künftigen. Mit jeder Rückmeldung wird die Prüfung ein Stück vollständiger.  

Deshalb kommunizieren wir weiterhin transparent, woran wir arbeiten. 

Um den kompletten Bauprozess noch nahtloser zu unterstützen, stehen aktuell unter anderem folgende Features und Erweiterungen auf unserer Roadmap:  

  • E-Mail-Textbausteine (z. B. für gezielte Hersteller-Rückfragen)

  • Unternehmer-Portal (Damit auch Unternehmer die Materialprüfung nutzen können.)

  • Spezifische Prüfregeln (wie die 80/20-Regel bei Beton sowie der Umgang mit Ausnahmen)  

  • Erweiterter Vollständigkeits-Check  

  • Baustellenrundgang-Prototyp (für die Ausführungsphase)

  • Direkter Export zu den Label-Plattformen


Was gleich geblieben ist

Die Idee dahinter ist dieselbe wie am ersten Tag: Die Auswahl, Prüfung und Dokumentation nachhaltiger Bauprodukte gehört an einen Ort – über den gesamten Bauprozess hinweg. Damit am Ende das Bauwerk steht und die Anforderungen an die Nachhaltigkeit halten.


Sie möchten sehen, wie das an einem Ihrer Projekte aussieht? Schreiben Sie uns an info@materius.app – wir zeigen es Ihnen gerne in einer kurzen Demo.

Rückblick: Gefeiert gemeinsam mit der Branche


Am Mittwoch, 2. September, haben wir den Relaunch mit rund 40 Gästen aus Nachhaltigkeitsberatung, Generalunternehmen, Herstellern, Ingenieurbüros und Zertifizierungsstellen gefeiert. Neben der Demo der neuen Plattform ging es vor allem um die Frage, wohin sich die Materialprüfung entwickeln muss – und dabei haben wir wieder viel wertvolles Feedback erhalten. Genau dieses Feedback fliesst als Nächstes in die Weiterentwicklung ein.


Danke an alle, die dabei waren!



 
 
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